Liebe Freunde unserer Weine,

Landwirtschaft und Weinbau sind Spielbälle der menschenveränderten Natur. Es ist eine der paradoxen Folgen der Klimaerwärmung, dass das Spätfrostrisiko in den letzten Jahren eher zunimmt. Der frühere Austrieb macht Obst und Reben empfindlicher für die im April und Anfang Mai bei klaren Nächten auftretenden Strahlungsfröste. So hat nach dem ungewöhnlich sonnigen März und einem warmen Aprilanfang 2017 ein verheerendes Nachtfrostereignis vom 19. auf den 20. April fast deutschlandweit Obstbauern und Winzer getroffen, zum Teil existentiell. Wir sind in den steilen Lagen des Bopparder Hamm mit überschaubaren Verlusten davongekommen – mit minus 2,1 Grad in 2m Höhe war es aber äußerst knapp – eine Beinahe-Katastrophe.

Eine Lehrstunde in anarchischer Demut, falls ich diesen Begriff in meinem Aufsatz vor einigen Jahren nicht plastisch genug illustriert hatte. So komme ich schon mantraartig auf den anarchischen Charakter des primären Kulturgutes Wein zurück. Und der aktuelle Jahrgang 2016 ist ein nicht minder starkes Beispiel, wie die Witterung alle menschlichen Klassifizierungen beiseite wischen kann.

2016: Ein irres Jahr mit viel Nässe im Frühjahr und immensen Pilzproblemen in den Reben, die uns viel abverlangt haben, um größere Schäden zu vermeiden. Dann eine massive Trockenheit im

Sommer, die den Reben wiederum zu schaffen machte. Für uns Familie unterbrochen von einer ganz kurzen New York Reise, teils geschäftlich bei unserem Importeur, teils touristisch. Ein surreales Auftauchen aus den Reben und Eintauchen in eine andere Welt, die wir mehr als Filmkulisse denn als Wirklichkeit wahrnahmen.

Anschließend ein versöhnlicher Spätsommer und Herbst mit günstigen Reifebedingungen für die Trauben, genug aber nicht zu viel Wasser. So können wir am Ende eine erfreuliche Bilanz ziehen. Kein großer aber ein durchschnittlich guter Jahrgang mit Erträgen knapp unter 5000 l/ha. Sehr deutlich wurde bei den ersten Jungweinproben, dass es dieses Jahr wirklich auf reduzierte Erträge ankam, um substanzreiche, charaktervolle Weine zu erzeugen. Eigenwillig dabei waren die niedrigen Säurewerte im Bopparder Hamm. Die Säuerung wurde deutschlandweit zugelassen für dieses Jahr – die schwierige Frage war: Eingriff ja oder nein? Eine Frage mit der ich lange umging. Ich beschloss eine „hybride“ (moralisch fragwürdig?) aber doch möglichst naturnahe Strategie: Säuerung ja, aber nur geringer Umfang in wenigen Einzelfällen, dafür Ausbau vieler trockener Weine (die Gärung spielte weitgehend mit) und einige interessante und sehr ungewöhnliche Cuvées. Die höheren Säuren aus Bacharach ließen sich wunderbar mit   mehr…

Der Jahrgang