Weine

Man liest viel über individuelle Weine, aber was bedeutet es? Unsere Gärgebinde sind überwiegend 1000 und 1500 Liter groß, sodass jeder Weinberg und fast jeder in Handlese eingebrachte Erntetag separat ausgebaut wird. Wir können Ihnen genau zeigen wo jeder unserer Weine gewachsen ist und es ist eine überschaubare Fläche von „menschlichem Maß“ („a human scale“ nach E. F. Schumacher, „intimacy of scale“ nach Terry Theise). In den führenden deutschen Großkellereien kann heute an einem Tag mehr Wein abgefüllt werden als wir in 25 Jahren erzeugen und es gibt dort ohne weiteres Tanks die wir in 5 Jahren nicht einmal füllen könnten.

Weinangebot/Weineinkauf

Hier können Sie unser Weinangebot als PDF herunterladen oder bei Interesse direkt in unserem Online-Geschäft Weine kaufen. Bei Fragen treten Sie gerne mit uns in Kontakt. Am schönsten ist es natürlich, wenn Sie für Ihren Einkauf direkt bei uns in Spay vorbeikommen. Hier können Sie unsere Weine unverbindlich kosten. Die Nutzung unseres Picknickplatzes steht Ihnen offen. Da wir keine Weinausschankkonzession besitzen, ist ein glasweiser Ausschank leider nicht möglich.  Für Ihr Picknick auf dem Keller können Sie jedoch Flaschenwein gekühlt erwerben.  Unser Parkplatz steht als Ausgangspunkt für Wanderungen im Bopparder Hamm zu Ihrer Verfügung.

Grundsätzliches

Wenn Sie mehr über unsere Vorstellung vom Wein erfahren wollen, sprechen Sie uns gerne an. Eine kleine Schrift unter dem Titel „Anarchistischer Wein - Was ist das?“ finden Sie unter der Rubrik Nachdenken. Sie gibt einen ersten Einblick in unsere Denkweise. Wein ist ein natürliches und von Natur aus sehr individuelles Getränk. Diese Eigenschaften müssen wir respektieren, damit er authentisch sein kann und über den reinen Wohlgeschmack hinaus seine kulturelle Wertschöpfung entfaltet. Das tut er, indem er uns mit seiner Herkunft, einem Jahrgang, dem Duft eines Sommers, seinem Weinberg, den Steinen und Reben und mit den Eigenheiten seines Heranreifens im Keller verbindet. Wein erfreut und entspannt, lockert das Gespräch und stärkt die Gemeinschaft. Darüber hinaus entrückt er uns dem Alltag und lässt uns Anteil nehmen an Jahrtausenden der Menschheitskultur. Aus der Welt schießen soll er uns nach Möglichkeit jedoch nicht – wir unterstützen Wine in Moderation – den maßvollen Genuss.

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Wir versuchen jedes Jahr neu, die Unterschiede und Möglichkeiten der einzelnen Weinberge herauszuarbeiten – bzw. wir lassen sie sich entwickeln. Natürlich ist der Winzer nicht vom Ergebnis zu trennen, in jeder Entscheidung beeinflusst und prägt er den späteren Wein. Aber es geht zunächst immer darum, einen typischen Mittelrhein-Riesling zu erzeugen, dann einen typischen Vertreter des Jahrgangs, eine gehaltvolle Spätlese, einen charakteristischen Ohlenberg und so fort und erst am Ende auch einen überzeugenden Weingart-Wein. Es bedeutet eben nicht eine reproduzierbare Marke zu schaffen und es bedeutet auch nicht einen Wein für einen Markt zu erzeugen, sondern letztlich Menschen für einen individuellen Wein zu suchen. Natürlich ist diese Betrachtung auch eine Utopie – weder sind wir blind für den Markt, noch wirtschaftlich unabhängig, noch unbeeinflusst von Moden und Entwicklungen der Weinwirtschaft oder der Weinwissenschaft, der Önologie. Aber der Respekt vor der Natur (wie Mathias Knebel es nennt) bleibt das Ideal der „Alten Weinwelt“ und insbesondere auch der deutschen Weinkulturgeschichte. Aber bevor es zu deutsch oder gar schwermütig wird: Das Wesen unserer Region sind vor allem leichte, filigrane, elegante Rieslingweine mit Frische und Frucht.

Riesling

Es soll nicht zu langweilig werden, indem ich jetzt das Loblied auf den Riesling singe. Ich stelle einfach fest, bei aller Ignoranz, die das gegenüber hunderten Weinen der Welt, die ich nicht einmal kenne, bedeutet, dass es keine dem Riesling vergleichbare, weiße Qualitätssorte auf der Welt gibt. Er ist die sensibelste „cool-climate“ Sorte, die man sich denken kann und gedeiht nur in vergleichsweise kühlem Klima bei langsamer Ausreife optimal. Wie keine andere Sorte transformiert sie die vielfältigen Gegebenheiten ihres Wachstums in geschmackliche Individualität. Der Riesling hat das größte Spektrum aller Rebsorten von leicht bis gehaltvoll und trocken bis edelsüß. Auch wenn uns in Deutschland manche fehlgeleitete Erzeuger und Weinfunktionäre glauben lassen wollen, dass es zwischen trocken und edelsüß nichts gäbe und der gehaltvoll trockene Riesling das Nonplusultra der Sorte sei, so ist gerade der große Raum zwischen ganz trocken und süß das natürliche Spielfeld der Sorte, bzw. das Spannungsfeld zwischen der Säure und einigen Gramm Restsüße, wo sie auch auf lange Sicht die größte Ausdauer zeigt …

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Guter Riesling lebt aus dieser inneren Spannung. Dem kleinsten Riesling darf sie nicht fehlen, bei fehlender Reife muss sie schon mal gezähmt, darf aber nie gebrochen werden. Wie einmal ein Winzeroriginal im Gebiet sagte: „Lieber eine Hakennase im Gesicht als gar keine.“ Und auch die Weine aus den reifsten Trauben mit niedriger Säure müssen noch ein wenig vibrieren und den Gaumen mit Lebendigkeit kitzeln. Riesling definiert sich dabei aber keineswegs nur durch das Süße-Säure-Spiel. Ich habe säurearme Jahrgänge erlebt, die hohe Restzuckerwerte spielend integrierten.

Riesling kann sehr aromatisch sein, kann auch eine feste Struktur besitzen, kennt tausend Früchte und Gewürze, sogar Salzigkeit ist ihm nicht fremd. Kurz: Riesling ist das Universum, das mancher Winzer sein ganzes Leben lang in einem Radius weniger Kilometer erkundet hat, ohne zweimal auf denselben Wein zu stoßen. Mein Vater konnte noch nach über 50 Jahrgängen (und bei völlig ungetrübtem Erinnerungsvermögen) sagen: „Hatten wir noch nicht!“ Letztlich kann auch ich Sie nur zum Probieren einladen. Jedes Jahr füllen wir etwa ein Dutzend Partien Riesling ab – überwiegend Prädikatsweine, von trocken bis süß, manchmal ist es die reine Anarchie. ;-)

Wenn wir einen Wein unter der Bezeichnung Anarchie abfüllen gilt folgendes: Er gefällt uns großartig, er ist nicht das, was wir geplant oder uns für diesen Wein vorgestellt hatten, er passt nicht recht in die normalen Geschmackskategorien und ist hochindividuell vom Charakter.

Spätburgunder

Auch hier ist es nicht leicht, in der Beschreibung alle bekannten Plattitüden zur Sorte zu vermeiden. Rotwein braucht zur harmonischen Reife, Geschmacksentfaltung und Farbentwicklung ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Anthocyanen und Polyphenolen, also zwischen Farbe und Bitterstoffen. Spätburgunder besitzt von ersteren relativ wenig, von letzteren durchaus viel. Als Rotweinsorte der wettermäßig unbeständigeren, nördlichen Weinbauregionen, hat ihm das den Ruf einer echten Diva verschafft.

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Das für den Jahrgang passende Maß an Extraktion zu finden und in der Maischegärung festzulegen, lange bevor der Wein seine endgültige Reife hat, ist eine Lotterie mit Erfahrungsbonus. Aber selbst altgediente Kellermeister legen nicht all ihre Hoffnung auf einen einzigen Weg, ein einziges Fass. Und die Beschreibung mancher Spitzenclos im Burgund erweckt den Eindruck, dass ein millionenteures Terroir sich nicht durch Einheitlichkeit auszeichnet sondern durch leichtere und schwerere Böden, deren Trauben je nach Jahrgang in unterschiedlichem Proporz in den Spitzenwein eingehen. Oh je, damit habe ich schon wieder ein Fass aufgemacht in der Terroirfrage.

Neben dem stets trockenen Rotwein, den wir nur bei ausreichender Reife aus 100 % gesunden Beeren erzeugen, gibt es einen, wie der Name schon sagt, sehr hellen „Weißherbst“, also weiß bzw. sofort gekelterten Spätburgunder aus mindestens 98 % gesunden Beeren – je nach Harmonie trocken oder halbtrocken.

Önologie

Wie erzeugen wir unsere Weine?

Wenn man vom Schwefel absieht, der für den Ausbau insbesondere der feinfruchtigen Rieslinge unentbehrlich ist, kann Wein ohne jegliche weitere Zusätze oder Behandlungsmittel erzeugt werden. Jede Behandlung darüber hinaus ist eine Frage moderner Ansprüche an die Produktsicherheit oder dient dem Ausgleich natürlicher Mängel oder menschlicher Fehler. Unser Ziel ist, jede unnötige Behandlung zu vermeiden und den Wein so naturbelassen und schonend wie möglich auf die Flasche zu bringen. Demgegenüber darf man aber das Ziel möglichst wohlschmeckender, bekömmlicher Weine nicht aus den Augen verlieren – das ist aber nicht der einzige Maßstab um önologische Verfahren zu bewerten. Es ist der hohe Natürlichkeitsanspruch des Weines, der ihn von anderen Getränken unterscheidet und eine eigene, strenge, vom allgemeinen Lebensmittelrecht geschiedene Gesetzgebung begründet.

Unter dem Vorbehalt der Weiterentwicklung und des Zuwachses an Erfahrung und Wissen schildere ich im Folgenden die Erzeugung typischer Weine in unserem Weingut.

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Rotwein

Der Spätburgunder wird vollreif aber keinesfalls überreif geerntet – ohne jede Edelfäule, weil dies die Farbe und den Geschmack beeinträchtigen würde. Je nach Reifegrad werden die Trauben teilweise oder eventuell auch gar nicht entrappt (von den Stielen getrennt). Die Beeren werden bei uns gequetscht, damit Saft austritt. Ein kleiner Teil des Saftes wird sofort abgezogen um die Farbkonzentration in der verbleibenden Maische zu erhöhen. Wir ernten bei möglichst niedrigen Temperaturen und kühlen die Maische zusätzlich, damit die Gärung einige Tage herausgezögert wird. Das soll die Fruchtigkeit des Weines verbessern. Dabei beginnt langsam das Stampfen der Maische, das später dazu dient, die durch die Gärungskohlensäure aufschwimmenden Schalen unterzutauchen, damit die Farbe besser extrahiert wird. Außerdem wird damit die beim Rotwein wichtige Sauerstoffaufnahme erhöht.

Die Vergärung erfolgt in offenen Edelstahlbehältern mit etwa 1200 l Maische. In der Regel leiten wir die Gärung beim Rotwein durch Zusatz von Reinzuchthefe ein, um der Entwicklung von Essigbakterien auf der Oberfläche der Maische zuvorzukommen. War die Zuckerreife nicht ganz ausreichend, geben wir etwas Zucker zur Maische, damit der fertige Wein mindestens 13% Alkohol hat. Außerdem werden Eichenholzwürfel hinzugegeben, weil deren Tannin mit der Rotweinfarbe stabilisierende Verbindungen eingeht. Die Verwendung von Holzgärbottichen wäre natürlicher, aber wegen der kurzen Nutzungsdauer von nur 4 Wochen im Jahr unheimlich teuer. Die eigentliche Gärung dauert nur etwa eine Woche, denn beim Rotwein streben wir hohe Gärtemperaturen an, damit Farbe und Gerbstoffe möglichst gut extrahiert werden. Je höher die Gärintensität umso häufiger wird der Maischehut von Hand untergetaucht. Nach der Gärung bleibt die Maische noch bis zu 3 Wochen stehen um die Extraktion zu vervollständigen.

Dann erfolgt die Kelterung mit der modernen, pneumatischen Presse oder unserer alten, mechanischen Korbkelter. Sowohl die Dauer des Maischekontaktes als auch die Intensität der Pressung sind dabei schwierige jahrgangsabhängige Entscheidungen mit erheblichen Folgen für die Harmonie und Lagerfähigkeit des späteren Rotweines. Nach kurzer Lagerzeit in Edelstahltanks wird der junge Rotwein für etwa 1 Jahr in Eichenholzfässer gefüllt von 300 oder 500 l Größe. Im Fass absolviert der Wein den sogenannten biologischen Säureabbau, stabilisiert die Farbe, harmonisiert durch die Sauerstoffaufnahme und Aromen aus dem Holz seinen Geschmack. Nach etwa einem halben Jahr wird er leicht geschwefelt. In der Regel füllen wir den Rotwein nach 2 bis 3 Abstichen ohne Filtration auf Flaschen. Nach der Lagerzeit ist er als gänzlich trockener Wein und mit abgeschlossenem Säureabbau stabil und hat sich ausreichend geklärt. Rotwein ist – wenn man so will – die ursprünglichere Weinart. Der technische Aufwand kann sehr gering sein, der Ausbau im traditionellen Holzfass ermöglicht ideale Reifebedingungen und braucht eigentlich nur Geduld bzw. Zeit.

 

Weißwein

Beim Riesling ist die Lese differenzierter und oft auch zeitlich gestaffelt. Edelfäule ist erwünscht aber Fäulnis nicht, was ein sehr sorgfältiges Arbeiten erfordert. Der schonende Transport in Klein- und flachen Euroboxen ist umso wichtiger, je reifer die Trauben werden und je höher der Anteil an Edelfäule. Je später die Ernte, je besser der Riesling. Solange der Alkohol nicht zu hoch wird, kennt der Riesling keine Überreife. Mit dem Gabelstapler werden die Trauben abgeladen und in einen Dosiertrichter geschüttet, der sie gleichmäßig in die Traubenmühle fördert. Dort werden die Trauben gequetscht und fallen in einen Edelstahl-Bottich. Je nach Temperatur, Reife, Gesundheit der Trauben erfolgt eine Standzeit der Maische von etwa 4-10 Stunden. Es ist ein Abwägen zwischen zarter Fruchtigkeit und Struktur und Fülle, das diese Maßnahme anleitet. Wegen der kurzen Wege können wir die kühleren Morgentrauben direkt mahlen und dadurch länger ziehen lassen, die wärmeren Trauben des Nachmittags kommen dann zusammen mit der Maische vom morgen direkt auf die Presse, so ergänzen sich die Vorteile von kurzer und längerer Standzeit. Die sogenannte Ganztraubenpressung ohne vorheriges Quetschen der Trauben praktizieren wir nur ganz gelegentlich bei Edelfäule. Nach der Pressung, die bei uns langsam und mit möglichst wenig Bewegung der Maische erfolgt, wird der Traubenmost vorgeklärt: Er lagert für 12 bis 24 Stunden kühl in einem Tank. Dabei setzen sich die Trubstoffe am Boden ab. Der klare Most wird in einen anderen Tank zu Vergärung umgefüllt, der Trubmost zunächst in einem Filter von seinen festen Bestandteilen getrennt. Bis vor Kurzem haben wir alle Rieslinge in Edelstahlgebinden vergoren, in letzter Zeit machen wir auch Versuche mit 500 l-Fässern aus Akazie. Dieses Holz ist neutraler als Eiche, beeinträchtigt die Frucht nicht, aber fördert die harmonische Reifeentwicklung des Weines. Wegen seiner Neutralität und der Frische konservierenden Eigenschaften wird aber Edelstahl auf absehbare Zeit seine Bedeutung nicht verlieren. Schöner sind allerdings die Holzfässer.

Die meisten Rieslingmoste vergären bei uns spontan, das heißt ohne Zusatz einer Reinzuchthefe. Hefe verwenden wir jedoch für Moste, die ganz durchgären sollen, für trockene Weine, und wenn die Gärung unerwartet ins Stocken gerät, weit vom Gärungsziel entfernt. Hier zeigt sich allerdings auch die Grenze der Planbarkeit beim Wein – oft sind die steckengebliebenen Weine die schönsten von der Frucht und Harmonie her und man lässt sie am besten so, wie sie sind. Die Gärung verläuft über 1-2, manchmal auch 3 Monate. Durch Kühlung wird eine deutliche Erwärmung verhindert und die Gärung gezügelt. Alle Tanks sind dafür mit Kältetauschern ausgestattet und an eine Zirkulationsleitung angeschlossen. Bis zum Ende der Gärung  werden die Tanks und Fässer beigefüllt, am Ende gekühlt und dann geschwefelt. Die meisten Weine lagern dann auf der Hefe bis Februar oder März. Diese Lagerzeit ist uns wichtig, denn die Hefe ist die Mutter des Weines. Sie stabilisiert und harmonisiert den Wein. Beim Spätburgunder Weißherbst wird die Hefe auch ab und an aufgerührt, was hier im Gegensatz zum Riesling den Sortentyp fördert. Dem Umfüllen zur Abtrennung des Hefegelägers, dem sogenannte Abstich folgt dann bald die Grobfiltration mit Kieselgur bzw. Zellulose. Im April oder Anfang Mai werden die Weißweine des Vorjahres steril über sogenannte EK(=Entkeimungs)-Filterschichten in Flaschen gefüllt. Das verhindert die Nachgärung auf der Flasche. Dann steht auch schon bald die große Probe bei der Jahrgangspräsentation bevor.

Die Verschlusssache

Mittlerweile sind wir einer der wenigen Weinbaubetriebe in der Region, die noch alle Weine mit Naturkorken verschließen. Drehverschlüsse des Typs BVS haben in Deutschland in den letzten Jahren fast alle anderen Verschlüsse verdrängt. Sie sind praktisch, meistens dicht, geschmacksneutral und preiswert. Warum bleiben wir dem Naturkorken treu? Es gibt für diese Entscheidung (die wir nicht in Stein meißeln) rational-technische, rational-ökologische und rational-ästhetische Gründe. Ich schreibe das in dieser etwas eigenwilligen Ausdrucksweise, weil ich deutlich machen will, das ästhetische Gründe keine irrationalen Gründe sind, wie das etwa manche Betriebswirtschaftler glauben machen wollen. Das würde dann offenbar, wenn wir versuchen würden, ein Leben gänzlich ohne Schönheit zu führen. Außerdem müsste man dann den Wein an sich als irrationales Getränk bezeichnen, denn wer braucht schon Wein? Ökonomisch geht der Vergleich zu Lasten des Korkens aus. Aktuell 46 Cent pro Stück, das ist 4x so teuer wie ein Schraubverschluss. Es entspricht etwa dem Preisunterschied zwischen dem Hühnerei einer alten Zweitnutzungsrasse aus dem Hofladen gegen ein „Hochleistungshybridhuhnei“ aus dem Supermarkt. Es ist eben nichts für umsonst zu haben.

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Rational-ästhetisch

Der Naturkork ist schöner. Seit Beginn der Erfolgsgeschichte der Weinflasche im 18. Jahrhundert war Kork der Weinverschluss schlechthin. Weinkorken und Korkenzieher gehören zur Weinkultur wie das Weinglas. Der Weinkorken ist fest mit der Tradition des Weintrinkens verknüpft. Wir finden, das ist schon alleine ein guter Grund diesen, aus einem nachwachsenden Naturmaterial herausgestanzten, natürlichen Verschluss auch im 21. Jahrhundert zu favorisieren. Schon mit dem Öffnen der Flasche beginnt der ästhetische Genuss.

Rational-ökologisch

Da wir nach längerer Erprobungsphase ab 2020 voraussichtlich ganz auf Korken umstellen, die auf Bienenwachsbasis versiegelt sind, ist der Naturkork in dieser Ausführung der einzige vollkommen natürliche und kunststofffreie Weinverschluss. Der Wein kommt nicht mit Kunststoffen in Berührung. Sein ökologischer Fußabdruck ist besser, weil zu seiner Herstellung weniger Energie verbraucht wird. Wir müssen allerdings hier einschränkend sagen, dass wir noch keine gute Alternative zur Kapsel gefunden haben. Erst wenn uns das gelingen wird, ist der ökologische Vorteil unbestreitbar. Die Erzeugung der Korken erhält im Übrigen einzigartige Kulturlandschaften in Italien, Portugal und Spanien.

Rational-technisch

Durch gaschromatographische Eingangskontrollen mit ausreichend hoher Stichprobenanzahl kann schon seit etlichen Jahren das Risiko des Korkgeschmacks oder anderer korkbedingter Geschmacksfehler auf unerhebliche Größenordnungen (ca. 0,5%) reduziert werden. Damit wurde die Voraussetzung geschaffen, den Korken erfolgreich weiter zu verwenden. Der Kork ist langlebig. Gute Korken haben eine niedrige Gasdiffusionsrate, die einerseits groß genug ist, Reduktionsfehler zu vermeiden aber niedrig genug, die Oxidation in Grenzen zu halten. Ansonsten ist gerade im kleineren Weingut mit technisch guter Korkmaschine (Vakuumeinrichtung oder CO2-Überlagerung) der Kork sicherer zu handhaben als der Schraubverschluss. Der Kork dichtet über eine große Fläche ab, ist fehlertoleranter bezüglich den Abmessungen der Flasche und ist nicht stoßempfindlich. Die erfolgreiche Verkorkung kann durch einfache Innendruckmessung und optische Kontrolle des Korken überprüft werden. Mit etwas Erfahrung ist die Verkorkung keine Hexerei. Beim Schraubverschluss ist das komplizierter. Undichtigkeiten durch Flaschenfehler sind häufiger – die Handhabung im Kleinbetrieb ist keinesfalls sicherer als die des Korkens.

Weinbewertungen und -kritiken

Weinbewertungen sind eine subjektive Angelegenheit. Ein und derselbe Wein oder ein und derselbe/dieselbe Winzer/in werden von verschiedenen Publikationen unterschiedlich bewertet. Wir wollen hier unsere Presseberichte sammeln. Allerdings laden wir Sie zuvor ein, selbst zu kosten, ob unsere Rieslinge und Spätburgunder Ihrem Geschmack entsprechen. Jeder unserer Jahrgänge ist schon naturgemäß anders und unser Bestreben ist es ja, Jahrgangsunterschiede nicht „auszubügeln“, zu egalisieren, sondern den Jahrgangscharakter zu erhalten, und, bei allem Wunsch nach Harmonisierung, die unterschiedlichen Potentiale zu nutzen und herauszuarbeiten.

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Wenn auch unser Ziel der bestmöglichen Weinqualität gleich geblieben ist und wir heute mehr denn je Strukturen aufgebaut haben dieses Ziel umzusetzen – so ist die Frage der Stilistik und des persönlichen Geschmacks entscheidend. Mit 25 Jahren önologischer Praxis kann ich mittlerweile die stete Entwicklung und Veränderung meiner eigenen Vorstellungen in der scheinbaren Kontinuität erkennen. Außerdem: Gleich, was gewisse amerikanische Trumps und Bannons zusammenfabulieren – der Klimawandel ist eine Tatsache, die innerhalb der letzten 25 Jahre messbaren und schmeckbaren Einfluss auf unsere Weine genommen hat und weiter nehmen wird. Deshalb sind jedes Jahr neue Weinkritiken wichtig. In einer medial derart beschleunigten und dominierten Welt sind Weinkritiken jedoch gleichzeitig nicht ungefährlich. Wir sollten uns nicht ausschließlich vom Urteil Fremder, deren sensorische Präferenzen wir nicht kennen und denen zu vertrauen wir keine direkte Grundlage haben, leiten lassen.

Wir versuchen hier alle verfügbaren, verschiedenen Medien zusammenzustellen, um ein pluralistisches Bild zu erzeugen. Zweifellos gibt es eine Menge guten Journalismus. Ich finde, das wahrhaft Authentische ist heute aber oft versteckt. Es bleibt auf der Strecke, weil es zu klein, zu „unprofessionell“, zu ausschließlich auf die Produktion fixiert ist, keine Netzte spinnt und zu wenig spektakulär ist. Die Professionalisierung im Marketing und die Konzentration im Vertrieb wird auch beim Wein weiter zunehmen. Ich finde es erschreckend, wie immer mehr der Preis zum selbstverstärkenden Argument der Qualität wird und sich Marketing zum Verteilungskampf der Medienkontrolle und der Qualitätsbegriffe entwickelt. Nirgendwo werden Sie letztlich mehr Unmittelbarkeit finden als beim Winzer, der Winzerin persönlich, und nur Ihre Nase und Ihr Gaumen können letztlich entscheiden, was Ihnen schmeckt. Im Kantjahr 2004 schrieb ich einmal in Anlehnung an das Motto der Aufklärung: Gustare aude! Habe Mut, dich deines eigenen Geschmackes zu bedienen! Sapere aude – Ihre persönliche Machete im Fake-News-Dschungel!